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Kreis Coesfeld blüht auf - Vielfalt am Wegesrand


Wegrand, Foto:Anja Eirich.
Wegrand, Foto:Anja Eirich.

In NRW sind fast 45 % aller Tier- und Pflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben. Auch, weil es kaum noch ungenutzte Wegränder gibt und viele Arten unter den veränderten Bedingungen keinen Lebensraum mehr finden.

Die Initiative „Kreis Coesfeld blüht auf – Vielfalt am Wegesrand“ ist auf der Suche nach artenreichen Wegrändern und seltenen Pflanzen. „Gute“ Wegränder mit heimischen Arten sollen durch richtige Pflege gefördert und auch für die Weiterentwicklung artenarmer Raine andernorts genutzt werden. Ziel ist es, die genetische Vielfalt der heimischen Flora zu erhalten und zu fördern. Außerdem können ökologisch wertvolle Fläche durch vielfältige Wegränder miteinander vernetzt und der Austausch zwischen lokalen Kleinpopulationen angeregt werden. Auch für die Fauna sind sie wertvolle Nahrungs-, Rückzugs-, Fortpflanzungs- und Überwinterungsmöglichkeit zugleich und dienen als grüne Korridore zwischen verschiedenen Biotopen.

Mit ehrenamtlicher Hilfe konnten bereits große Teile des Kreises kartiert werden. Aufgrund der Entdeckung der artenreichen Wegränder konnte die Aufwertung erster Säume ermöglicht werden. Dafür favorisiert das Naturschutzzentrum die sogenannte Mahdgutübertragung.

 

Mahdgutübertagung

Mahdgutübertagung im Nonnenbachtal, Foto: Anja Eirich.

Artenreiche Wegränder müssen zur Erhaltung des Artenreichtums regelmäßig gemäht werden. Dabei ist der Abtransport des Mahdguts besonders wichtig. Mäht man zur Samenreife der Zielarten (z.B. Margerite), kann das Mahdgut genutzt werden und direkt auf artenarme Flächen übertragen werden. Dort fallen die Samen aus, keimen und sorgen dafür, dass das sich heimische Pflanzen auf diesen Flächen wieder ansiedeln.

 

Samentütchen und genetische Varianz

Der Verlust der Blütenvielfalt fällt immer mehr Menschen auf. Die Entscheidung, eine bunte Samentüte zu kaufen ist aber leider nicht immer gut, da viele Samenmischungen keine heimischen Pflanzen enthalten. Der Nektar der ausgesäten fremden Pflanzen ist für „unsere“ Insekten häufig unerreichbar und der gewünschte Zweck bleibt unerfüllt. Hinzu kommt, dass die fremden Arten unsere heimischen Pflanzen in der Landschaft verdrängen können.

Sollten die „richtigen“ Samen im Tütchen enthalten sein, ist die Aussaat in der Landschaft trotzdem problematisch, da sie aufgrund der Produktion in anderen Regionen auch eine andere Genetik mit sich bringen. Diese ist z.B. für den Zeitraum verantwortlich, in dem ein Individuum blüht, wie es auf Trockenstress reagiert oder ob es gegen die Angriffe von Parasiten gewappnet ist. Durch Anpassung an lokale Gegebenheiten ist im Laufe der Zeit eine unsichtbare genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Pflanzenarten entstanden, die bewahrt werden sollte. Das Aussäen von Samentüten wirkt der genetischen Vielfalt entgegen und fördert eine Vereinheitlichung des Erbgutes.

 

Ehrenamtliche Unterstützung

Da die Initiative von der ehrenamlichen Unterstützung lebt, freuen wir uns über Freiwillige, die Spaß an der Wegrandkartierung im Kreis Coesfeld haben.

 

Kontakt

Inka Harms

Dipl.-Biologin

Wissenschaftliche Mitarbeiterin | Schwerpunkt Botanik | Artenvielfalt in der Feldflur

Tel: 02502-90 143 84 | Di. bis Fr. 9.00 - 15:30 Uhr

» Inka.harms(at)naturschutzzentrum-coesfeld.de