Der rund 1.800 Hektar große, ehemalige Truppenübungsplatz Borkenberge steht seit 2002 unter europäischem Schutz und stellt einen landesweit bedeutsamen Bestandteil der münsterländischen Sandlandschaft dar. Nach einer über 140-jährigen militärischen Nutzung endete der Übungsbetrieb mit dem Abzug der britischen Rheinarmee am 31. Mai 2015. Ein Großteil der Liegenschaft (1.768 Hektar) wurde 2016 in das Nationale Naturerbe überführt und befindet sich heute im Eigentum der DBU Naturerbe GmbH. Das Sand-Abgrabungsgelände im Norden gehört der Borkenberge Gesellschaft e.V. (Betreiber Flugplatz Borkenberge).
Die Borkenberge sind das größte Schutzgebiet des Kreises Coesfeld und ein landesweit bedeutsamer Hotspot der Biodiversität und bedeutsam für den Erhalt der Sandheide-, Moor- und Magerrasenlandschaften Nordrhein-Westfalens. Sie repräsentieren auf außergewöhnlich großer Fläche eine Landschaftsform, die in Mitteleuropa nahezu verschwunden ist.
Biodiversität
Mit über 2.700 nachgewiesenen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gehören die Borkenberge zu den artenreichsten Gebieten Nordrhein-Westfalens.
Über 400 davon stehen auf den Roten Listen Deutschlands oder NRWs (Stand 2009).
Die Borkenberge:
- beherbergen rund 50 % aller Brutvogelarten NRWs,
- bieten über 40 % aller heimischen Amphibien- und Laufkäferarten Lebensraum,
- und sind ein zentraler Trittstein im europäischen Schutzgebietsnetz NATURA 2000.
Die Borkenberge beinhalten Gebiete mit unterschiedlichem Schutzstatus:
Naturschutzgebiete
- NSG ehemaliger Truppenübungsplatz Borkenberge (1.161 ha)
- NSG Hochmoor Borkenberge (47 ha)
- NSG Gagelbruch Borkenberge (ca. 89 ha)
- NSG Wacholderhain (ca. 2,10 ha)
Europäische Schutzgebiete
- FFH-Gebiet Truppenübungsplatz Borkenberge DE-4209-304 (1716 ha)
- FFH-Gebiet Gagelbruch Borkenberge DE-4209-301 (88 ha)
EU-Vogelschutzgebiet
Die Borkenberge sind ein Teilgebiet des 5077 Hektar großen EU-Vogelschutzgebietes “Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge” (VSG DE-4108-401) entlang der Heubachniederung.
Borkenberge
Die Borkenberge stellen eine große, unzerschnittene Sandlandschaft mit strukturreichen, vielfältigen Offenlandlebensräumen und lichten Wäldern dar. Im Zentrum des Gebiets liegt ein großer Heide-Sandtrockenrasen-Komplex mit offenen Sandflächen und kleinen Vermoorungen. Die umgebenden Waldflächen werden von Kiefernwäldern und jungen Birkensukzessionswäldern dominiert. Die halboffenen Übergangsbereiche zwischen Wald und Heide-Sandtrockenrasen-Komplex sind von besonderer Bedeutung für die Fauna, u.a. für Ziegenmelker und Schlingnatter. Im Norden des Gebiets liegen zwei größere Moorgebiete. Das von Erlenbeständen und Feuchtgrünland umgebene Süskenbrocksmoor gehört zu den bedeutendsten Mooren Westfalens. Im Gagelbruch sind ein nährstoffarmes Stillgewässer mit verschiedenen Verlandungsstadien, ausgedehnte Gagelgebüsche, Bruchwälder und alte Eichenwälder von besonderer Bedeutung.
Schutz- und Entwicklungsziele
Erhalt und Optimierung der Offenlandbereiche
Erhalt und Optimierung des zentralen Offenlandbereichs mit großflächigen Heiden, Sandtrockenrasen, offenen Sandflächen und kleinen Vermoorungen sowie kleinerer Heide- und Moorflächen im Wald.
Erhalt und Optimierung der Wacholderheiden.
Erhalt und Optimierung ausgedehnter, halboffener Übergangsbereiche vom Offenland des Heide-Sandtrockenrasen-Komplexes zum Wald, auch als Habitat für seltene oder gefährdete Faunenelemente.
Entwicklung von lichten Gehölz-Heide-Korridoren als Biotopverbund zwischen zentralem Offenland und Heideflächen im Wald.
Erhalt und Optimierung von Mager-, Nass- und Feuchtgrünland durch extensive Bewirtschaftung.
Ackerwildkrautschutz durch Extensivierung von Äckern.
Umbau und natürliche Entwicklung der Wälder
Natürliche Entwicklung der Birken-Eichen- und Buchenwälder sowie der Moor-, Bruch- und Auenwälder.
Umbau strukturarmer Nadelholzbestände in naturnahe, standortheimische, strukturreiche Laubmischwälder durch Ausnutzung der Naturverjüngung mit dem Ziel der natürlichen Entwicklung.
Erhalt und Entwicklung naturnaher Waldränder mit Übergängen in das angrenzende Offenland.
Erhalt, Optimierung und Wiederherstellung der Moore und Gewässer
Erhalt und Optimierung der Moore.
Erhalt und Förderung von temporären und permanenten Kleingewässern, auch als Biotope für gefährdete Arten.
Erhalt und Optimierung des nährstoffarmen Stillgewässers im Gagelbruch unter Berücksichtigung wertvoller Verlandungszonen.
Erhalt und Optimierung der Moore, Feuchtwälder und des Nassgrünlands durch Wiederherstellung des Wasserhaushalts.
DBU-Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Der Truppenübungsplatz Borkenberge liegt in den Kreisen Coesfeld und Recklinghausen. Er gehört mit seinen Heiden, Sandtrockenrasen und Mooren zu den wertvollsten Naturlandschaften Nordrhein-Westfalens. Bedingt durch die seit 1873 andauernde Nutzung als Schieß- bzw. militärischer Übungsplatz konnte sich hier ein großflächiger Ausschnitt einer halboffenen Heide- und Moorlandschaft erhalten, wie sie für die vorindustrielle Kulturlandschaft des Münsterlandes einst charakteristisch war. In der etwa 1.800 ha großen hügeligen Sandlandschaft der Borkenberge finden zahlreiche gefährdete Arten einen wichtigen Rückzugsraum.
Was aber ist die Ursache dafür, dass zahlreiche hoch gefährdete Arten und Lebensräume auf militärischen Übungsplätzen wie den Borkenbergen vertreten, außerhalb dieser jedoch nahezu verschwunden sind? Ein wesentlicher Grund ist - neben dem Vorhandensein großflächiger, ungedüngter Lebensräume - die militärische Nutzung. Diese schafft durch das Befahren mit Kettenfahrzeugen ein Netz offener Sandwege und trägt durch gezielte Pflegemaßnahmen sowie spontane Brände zur Offenhaltung der Heideflächen bei.
Hiervon profitieren zahlreiche Arten früher Sukzessionsstadien wie Heidelerche, Kreuzkröte, Zauneidechse, Rostbinde, Heidelaufkäfer, Knorpelmiere, Hirschsprung und Zierliche Glanzleuchteralge. Diese Arten leben dort nicht trotz, sondern auf Grund der militärischen Nutzung.
Daneben bieten die von dem militärischen Übungsbetrieb weitgehend unbeeinflussten Moore im Randbereich der Borkenberge sehr selten gewordenen Spezialisten wie Moorameise, Arktische Smaragdlibelle, Kreuzotter, Gageleule, Krickente und Moorlilie geeignete Lebensräume.
Bisher lag keine umfassende Beschreibung der Biologischen Vielfalt dieses herausragenden Gebietes vor. Diesem Umstand wurde nun mit dem vom Naturschutzzentrum und Karsten Hannig herausgegebenen Buch „Die Tiere, Pflanzen und Pilze des Truppenübungsplatzes Haltern-Borkenberge“ Rechnung getragen. Insgesamt 21 Fachautoren aus unterschiedlichen Disziplinen konnten innerhalb des Truppenübungsplatzes mehr als 2.700 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten dokumentieren. Hiervon finden sich über 400 Arten auf den Roten Listen Nordrhein-Westfalens bzw. Deutschlands wieder.
Im Rahmen des vorliegenden Buches wird in 22 Einzelbeiträgen die herausragende Bedeutung der militärisch genutzten Borkenberge für den Naturschutz deutlich. Auf über 550 Seiten wird der ansonsten oftmals inflationär benutzte Begriff Biodiversität (Biologische Vielfalt) „mit Leben gefüllt“. So konnten in den Borkenbergen beispielsweise
- etwa 30 % aller Spinnenarten,
- über 40 % aller Amphibien-, Säugetier-, Laufkäfer- und Ameisenarten,
- etwa 50 % aller Brutvogel- und Heuschreckenarten,
- mehr als 60 % aller Libellenarten und
- über 70 % aller Reptilienarten
Nordrhein-Westfalens und zahlreiche geschützte Biotoptypen nachgewiesen werden (vgl. Hannig et al. 2009). Die Borkenberge sind mittlerweile als FFH- und EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen und liefern somit einen wichtigen Beitrag zum europaweiten Schutzgebietsnetz NATURA 2000. Die Arten- und Lebensraumvielfalt belegt die große naturschutzfachliche Bedeutung, die militärische Übungsplätze wie die Borkenberge innerhalb einer ansonsten oftmals artenarmen „Normallandschaft“ besitzen.
An der Arbeit über die Borkenberge haben neben den vier Herausgebern Karsten Hannig, Matthias Olthoff, Kerstin Wittjen und Thomas Zimmermann folgende Personen mitgearbeitet:
Christian Büning, Peter Decker, Christian Feuring, Fredi Kasparek, Hajo Kobialka, Dr. Patrick Leopold, Dr. Michael J. Raupach, Klaas Reißmann, Dr. Armin Rose, Peter Schäfer, Dr. Carsten Schmidt, Dr. Christian Schmidt, Prof. em. Dr. Eberhard Schmidt, Annette Schulte, Klaus Siepe, Holger Sonnenburg und Dr. Heinrich Terlutter.









