Das NSG Gagelbruch liegt in einer vermoorten Senke westlich vom Süskenbrockmoor am Nordfuß der Borkenberge und gehörte einst zum Moorkomplex der Merfelder Niederung. Zwischen den beiden Moorgebieten befindet sich der Flugplatz Borkenberge. In der Preußischen Uraufnahme von 1842 wird für den Bereich des heutigen NSG Gagelbruch Torfabbau dokumentiert. Das Gebiet wird von einem begehbaren Damm (Zentraldamm), der größtenteils schon seit der Preußischen Urfaufnahme Bestand hat, in einen West- und einen Ostteil gegliedert. Im Ostteil wurde nach Angabe des Grafen Westerholt im Jahre 1917 ein Fischteich mit Vorbecken angelegt (Nigge 1988). Doch die Fischteichanlage erwies sich schon bald als unrentabel und wurde Ende der 1930er Jahre wieder aufgegeben (Nigge 1988).
Die ehemalige Fischteichanlage wird im Westen von einem begehbaren Staudamm begrenzt und präsentiert sich heute als ein dystropher, zeitweise trocken fallender Heideweiher, der von Pfeifengras-Bultbeständen mit einzelnen Vermoorungen und Schilfröhrichten gesäumt wird. Ein mittig von Osten nach Westen, quer durch den Heideweiher verlaufender Graben entwässert in den Westteil des NSG Gagelbruch. Der offene Bereich im Westteil wird von Pfeifengras-Bultstadien und ausgedehnten Gagel-Beständen eingenommen. Der Sandbach verläuft am Nordrand des Untersuchungsgebietes und grenzt als Vorfluter mit grabenähnlicher Struktur an intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen.
Die Offenlandbereiche des NSG Gagelbruch sind von verschiedenen, überwiegend naturnahen Eichenwäldern umgeben. Im Nordosten, nahe des Sandbaches stockt ein artenreicher Erlenbruchwald.
Die weitgehend ungestörten Moorlandschaften sind von hoher Bedeutung für Tierarten mit spezialisierten Lebensraumansprüchen. Die flachen Uferstrukturen des zentralen Gewässers sucht beispielsweise das Blaukehlchen zur Nahrungsaufnahme auf. Es findet in den Gebüschen und Schilfbeständen ideale Brutbedingungen vor. Das NSG Gagelbruch gehört zu den wenigen Brutgebieten der Art in Nordrhein-Westfalen. Neben Teichrohrsänger, Zwergtaucher und Krickente konnten auch Brutvorkommen der nachtaktiven Wasserralle nachgewiesen werden. Diese scheue Rallenart verrät sich dem kundigen Hörer vor allem durch ihre lauten Rufe, die ähnlich wie das Quieken eines Ferkels klingen. Von den Amphibienarten ist das Vorkommen des Moorfrosches hervorzuheben, der die nährstoffarmen Moorgewässer als Laichgewässer nutzt. Das gesamte NSG Gagelbruch ist Bestandteil des Truppenübungsplatzes Borkenberge. Achtung! Truppenübungsplätze sind militärische Sicherheitsbereiche und dürfen nicht betreten werden! Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich geahndet.
(Stand 2006)
Besucher in den Borkenbergen
Achtung Betretungsverbot!
Der ehemalige Truppenübungsplatz Borkenberge ist munitionsbelastet und darf nicht betreten werden! Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich geahndet.
Wanderer und Radfahrer werden auf einem befestigten Rundweg um die sensible Kernzone des Gebietes herumgeführt. Dieser Weg darf – schon aus Sicherheitsgründen – nicht verlassen werden.
Literatur:
Nigge, K. (1988): Nährstoffarme Feuchtgebiete im Südwesten der Westfälischen Bucht – Vegetation und Naturschutzsituation. – Abh. Westf. Museum Naturk. Münster 50 (2): 1-90.
Erhaltung und Optimierung des Moorkomplexes mit großem naturnahen dystrophem Gewässer durch Sicherung der Wasserstände u. Wiedervernässung
Gefährdungen:
- Entwässerung, Wasserregime
- unerwünschte Sukzession
Maßnahmen:
- Wasserstand regeln
- Wiedervernässung
- Vegetationskontrolle
- Wiederherstellung von Biotopen
Informationsquelle: Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
Lage: Gemeinde Lüdinghausen, Kreis Coesfeld
Fläche: rund 89 Hektar
Schutzstatus:
- Naturschutzgebiet (NSG)
- FFH-Gebiet „Gagelbruch Borkenberge“ (DE-4209-301)
- Teil des EU-Vogelschutzgebietes (VSG) “Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge” (DE-4108-401)
Schutz seit: 1987
seit 2016 Teil der DBU-Naturerbefläche “Borkenberge”
Informationsquelle: Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
NATURA 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten, das eingerichtet wurde, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume in Europa langfristig zu erhalten. Es ist das größte zusammenhängende Schutzgebietssystem der Welt und basiert auf der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) (1992).
FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete) sind spezielle Schutzgebiete, die im Rahmen von NATURA 2000 ausgewiesen worden sind. Der Begriff stammt aus den entsprechenden EU-Richtlinien, die auf den Schutz von besonders wertvollen Lebensräumen (z. B. Wälder, Moore, Wiesen) sowie gefährdeten Tier- und Pflanzenarten abzielt.
Das FFH-Gebiet Gagelbruch Borkenberge (DE-4209-301) hat eine Fläche von 88 ha.
Das 5.077 ha große EU-Vogelschutzgebiet „Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge“ (VSG DE-4108-401) befindet sich im Grenzbereich des Kernmünsterlandes zum Westmünsterland und setzt sich aus mehreren Teilgebieten zusammen. Das Vogelschutzgebiet liegt zu etwa gleich großen Teilen in den Kreisen Borken, Coesfeld und Recklinghausen. Es wird naturschutzfachlich von drei Biologischen Stationen betreut, dem Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld, der Biologischen Station Zwillbrock (Kreis Borken) und der Biologischen Station Kreis Recklinghausen.
Das Vogelschutzgebiet gilt seit seiner Meldung durch die Bundesrepublik Deutschland an die EU-Kommission im Jahr 2000 als „Besonderes Schutzgebiet“ (BSG = Special Protected Area - SPA) und ist Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes NATURA 2000.
Das Vogelschutzgebiet hat besonderen Wert als Lebensraum für folgende Vogelarten:
Brutvogelarten:
- Großer Brachvogel
- Zwergtaucher
- Kiebitz
- Eisvogel
- Krickente
- Knäckente
- Löffelente
- Schnatterente
- Tafelente
- Uhu
- Baumfalke
- Rotmilan
- Wespenbussard
- Kranich
- Heidelerche
- Pirol
- Wachtelkönig
- Wasserralle
- Kiebitz
- Blaukehlchen
- Gartenrotschwanz
- Nachtigall
- Schwarzkehlchen
- Teichrohrsänger
- Bekassine
- Uferschnepfe
- Mittelspecht
- Schwarzspecht
- Wiesenpieper
- Weißstorch
- Neuntöter
- Ziegenmelker
Rast- und Überwinterung, Durchzug:
- Blässgans
- Saatgans
- Fischadler
- Kornweihe
- Rohrweihe
- Fischadler
- Kranich
- Goldregenpfeifer
- Rohrdommel
- Gänsesäger
- Zwergsäger
- Bruchwasserläufer
- Dunkler Wasserläufer
- Grünschenkel
- Kampfläufer
- Waldwasserläufer
- Zwergschnepfe
- Trauerseeschwalbe
- Schwarzstorch
- Weißstorch
- Raubwürger
- Silberreiher
Informationsquellen:
Olthoff, M., Ikemeyer, D., Ribbrock, N. & T. Zimmermann (2007): Das EU-Vogelschutzgebiet „Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge“. In: Heineberg, H. (Hrsg.): Westfalen Regional. Siedlung und Landschaft in Westfalen 35: 62-63.
Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
FFH-Lebensraumtypen
- Oligo- bis mesotrophe stehende Gewässer mit Vegetation der Littorelletea uniflorae und/oder der Isoeto-Nanojuncetea (3130)
- Dystrophe Seen und Teiche (3160)
- Feuchte Heiden des nordatlantischen Raums mit Erica tetralix (4010)
- Übergangs- und Schwingrasenmoore (7140)
- Torfmoor-Schlenken (Rhynchosporion) (7150)
- Alte bodensaure Eichenwälder auf Sandebenen mit Quercus robur (9190)
- Moorwälder (91D0, Prioritärer Lebensraum)
- Erlen-Eschen- und Weichholz-Auenwälder (91E0, Prioritärer Lebensraum)
Bedeutsame Vogelarten
- Krickente
- Zwergtaucher
- Pirol
- Wasserralle
- Blaukehlchen
- Teichrohrsänger
- Bekassine
- Schwarzspecht
- Kranich
Weitere bedeutsame Arten der FFH-Richtlinie
- Fischotter
- Große Moosjungfer
- Moorfrosch
- Kreuzkröte



