Das 194 Hektar große Naturschutzgebiet wird von einem strukturreichen, ausgedehnten Grünlandkomplex geprägt. Dieser ist von überwiegend naturnahen, großflächigen Stieleichen-Hainbuchenwäldern (Stellario-Carpinetum) und eingestreuten Pappelforsten umgeben. Der Nordteil des Gebiets wird von einem Grünlandgürtel mit artenreichen Glatthaferwiesen bestimmt. Es herrschen schwere, staunasse und grundwasserbeeinflusste Böden vor. Ein Großteil des Naturschutzgebiets bildet zusammen mit dem östlich gelegenen Waldkomplex bei Haus Ichterloh das rund 326 Hektar große FFH-Gebiet „Wälder Nordkirchen”.
Der seit 2004 im Landeseigentum befindliche Hirschpark Nordkirchen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Bei dem heute rund 40 Hektar großen Offenlandbereich handelt es sich um ein historisches Wildgehege-Relikt, das ehemals rund 375 Hektar umfasste. Hervorzuheben sind die zahlreichen Baumgruppen mit Gehölzen unterschiedlichster Art, die dem Gelände einen parkähnlichen Charakter verleihen. Das Wildgehege für Rotwild wurde später als Gestüt für das Arenberg-Nordkirchener Pony genutzt – eine robuste Kleinpferderasse, die hier in den 1920er Jahren gezüchtet wurde. Noch heute erinnern die offenen Weideflächen an diese Vergangenheit. Seit 1993 werden die Flächen im naturschutzfachlichen Sinne als extensives Grünland ohne Düngung von einem Biolandbetrieb mit einer Mutterkuhherde bewirtschaftet.
Der Hirschpark ist ein landschaftlich und kulturhistorisch außergewöhnliches Gebiet im Herzen des Münsterlandes. Er vereint weitläufige Grünlandflächen, alte Baumgruppen und heimische Laubwälder zu einem parkähnlichen Ensemble.
Das Naturschutzgebiet Hirschpark dient dem Erhalt und der Entwicklung artenreicher Grünland- und Waldlebensräume des Münsterlandes. Im Mittelpunkt stehen:
- Erhaltung der naturnahen Eichen-Hainbuchenwälder (Stellario-Carpinetum)
- Pflege und Erhaltung artenreicher Feucht- und Nassgrünlandflächen
- Erhaltung und Pflege von Kleingewässern
- Schutz und Förderung seltener Tierarten (Laubfrosch, Kammmolch, Wespenbussard, Neuntöter)
- Schutz und Förderung seltener Pflanzenarten wie Wiesen-Silge (Silaum silaus), Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und Zittergras (Briza media)
- Erhaltung und Förderung des FFH-Lebensraumtyp 6510 “Artenreiche Glatthaferwiese”
- Erhaltung historisch gewachsener Landschaftsstrukturen (Baumgruppen, Alleen)
Lage: Gemeinde Nordkirchen, Kreis Coesfeld
Fläche: rund 194 Hektar
Schutzstatus: Naturschutzgebiet (NSG) und Teil des FFH-Gebiets „Wälder Nordkirchen“ (DE-4108-301)
Schutz seit: 1993
Eigentum: Land Nordrhein-Westfalen (seit 2004) / Landesbetrieb Wald und Holz NRW
Betreuung: Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V.
Vegetation
Zu den heutigen Schutzgütern des Gebietes gehören die artenreichen Nass- und Feuchtgrünlandflächen sowie artenreichen Grünlandflächen mittlerer Standorte mit zahlreichen gefährdeten Arten. Im Gebiet kommen u.a. Braunsegge (Carex nigra), Erdbeer- Klee (Trifolium fragiferum), Kammgras (Cynosurus cristatus), Teufelsabbiss (Succisa pratensis), Zittergras (Briza media), Wiesen-Silge (Silaum silaus), Röhrige Pferdesaat (Oenanthe fistulosa), Kleine Bibernelle (Piminella saxifraga), Dorniger Hauhechel (Ononis spinosa), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vugare) und Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) vor.
Auch die für das Münsterland charakteristischen Stieleichen-Hainbuchenwälder sind von großer Bedeutung und Grund für die FFH-Gebietsausweisung. Deutschland trägt für die Erhaltung dieses Lebensraumtyps eine besondere Verantwortung.
Fauna
Als ornithologische Besonderheiten sind zahlreiche gefährdete Brutvogelarten wie Wespenbussard, Kleinspecht, Schwarzspecht und Hohltaube zu nennen. Darüber hinaus bietet das Gebiet wertvolle Lebensräume für Fledermäuse, Schmetterlinge und Amphibien. Von überregionaler Bedeutung ist hier vor allem das Vorkommen des → Laubfrosches.
Im Jahr 1929 wurde das Rotwildgehege vom Herzog Engelbert-Karl von Arenberg, einem Vetter des Herzogs von Croÿ, in ein Wildponygestüt umgewandelt. Er begründete die Zucht des Arenberg-Nordkirchener Ponys. Diese Robust-Kleinpferderasse entstand durch die Kreuzung von Panjestuten (litauischer Landschlag) mit Dülmener Hengsten. Nach der Aufgabe des Wildpferdegestüts ging die etwa 100 Tiere zählende Herde in der westfälischen Reitponyzucht auf.
Anschließend bewirtschafteten verschiedene Landwirte die verpachteten Offenlandflächen mit unterschiedlicher Intensität. Ende der 1980er Jahre wurden umfangreiche Entwässerungsmaßnahmen durchgeführt, die einen deutlichen Verlust wertvoller Grünlandgesellschaften feuchter Standorte nach sich zogen. Erfreulicherweise blieb das wertvolle Nassgrünland jedoch weitestgehend von diesen Maßnahmen unberührt.
Im zentralen Grünlandbereich wird seit rund 20 Jahren extensiv mit Mutterkühen beweidet – ganz ohne Düngung. Diese schonende Nutzung hat zur Rückkehr vieler gefährdeter Pflanzenarten geführt und macht den Hirschpark heute zu einem der artenreichsten Grünlandgebiete des Kreises Coesfeld.
NATURA 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten, das eingerichtet wurde, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume in Europa langfristig zu erhalten. Es ist das größte zusammenhängende Schutzgebietssystem der Welt und basiert auf der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) (1992).
FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete) sind spezielle Schutzgebiete, die im Rahmen von NATURA 2000 ausgewiesen worden sind. Der Begriff stammt aus den entsprechenden EU-Richtlinien, die auf den Schutz von besonders wertvollen Lebensräumen (z. B. Wälder, Moore, Wiesen) sowie gefährdeten Tier- und Pflanzenarten abzielt.
Das FFH-Gebiet "Wälder Nordkirchen" ist 326 Hektar groß und setzt sich zusammen aus dem NSG Hirschpark Nordkirchen und dem NSG Ichterloh.
Wer den Weg vom Parkplatz an der alten Ascheberger Straße betritt, gelangt vorbei an knorrigen Hainbuchen zu einem Aussichtspunkt mit Blick über das Herzstück des alten Wildparks. Im Frühjahr blühen hier Teppiche aus Buschwindröschen, Lerchensporn und Schlüsselblumen.
Ein Rundweg führt weiter durch die unter europäischem Schutz stehenden Eichen-Hainbuchenwälder, entlang der historischen „Grafenallee“ und vorbei an einer mittelalterlichen Turmhügelburg („Motte“) der Herren von Morrien, einem frühen Adelsgeschlecht der Region.
Ein idealer Rastplatz ist die kleine „Spatzenvilla“, ein wettergeschützter Unterstand mit Blick ins Grünland.










