Die rund 13 ha große Letter Wacholderheide ist ein überaus wertvolles Relikt einer weitläufigen Heidelandschaft, die sich im 19. Jahrhundert zwischen Lette und Dülmen erstreckte. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts musste die Heide modernisierten Nutzungsansprüchen weichen. Charakteristisch für die Letter Wacholderheide ist das flachwellige Binnendünengelände, das aus extrem nährstoffarmen Sandböden (Regosol, Podsol) besteht. Der offene Kernbereich ist durch Heide (Genisto Callunetum), Wacholdergebüsch (Dicrano-Juniperetum) und Sandmagerrasen-Gesellschaften geprägt. Diese Biotope sind im Münsterland stark gefährdet und durch § 62 des Landschaftsgesetzes Nordrhein-Westfalens geschützt.
Die Heide- und Sandmagerrasen-Vegetation setzt sich aus konkurrenzschwachen, niedrigwüchsigen Pflanzenarten zusammen. Sie können sich als sogenannte Pionierarten nur auf offenen, besonnten Standorten behaupten und sind daher auf eine dauerhafte Pflege angewiesen, die für eine Offenhaltung der Standorte sorgt. Andernfalls werden sie infolge der zunehmenden Beschattung durch Gebüsch verdrängt und schließlich durch Waldgesellschaften ersetzt.
Lage: Gemeinde Coesfeld, Kreis Coesfeld
Fläche: 13 Hektar
Schutzstatus: Wasserschutzgebiet Lette
Eigentümer: Stadtwerke Coesfeld
Betreuung:
Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V.
Heimatverein Lette e.V.
Das Heidebauerntum prägte vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts das Landschaftsbild auf den nährstoffarmen Sandböden Nordwestdeutschlands. Durch Waldweide und Holzeinschlag wurden die ursprünglichen Eichen- und Buchenmischwälder zurückgedrängt und durch offene Heidelandschaften ersetzt. Neben der Weidewirtschaft und der Imkerei war das Heideplaggen im Zusammenhang mit dem Ackerbau von großer Bedeutung. Beim Plaggenhieb wurde mit einer speziellen Hacke die obere Bodenschicht mitsamt dem Heidekraut und dem oberen Wurzelwerk abgeschält. Die Plaggen verwendeten die Heidebauern zunächst als Einstreu für das Vieh. Der Plaggenmist wurde dann als Dünger auf den Äckern verteilt. Die Plaggengewinnung beanspruchte viel Fläche, denn erst nach 10 bis 20 Jahren hatte sich die Heidevegetation wieder regeneriert. Die größte Flächenausdehnung der Heidewirtschaft war Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Niedergang der Heidewirtschaft begann mit dem Aufkommen des Kunstdüngers und der zunehmenden Aufforstung von Heiden zur Deckung des wachsenden Bedarfs an Holz für den Bergbau.
Seit über 20 Jahren engagieren sich zahlreiche Helferinnen und Helfer beim jährlichen Pflegeeinsatz in der Letter Wacholderheide. Die Aktion findet traditionell im Herbst statt –und jeder ist herzlich willkommen, mit anzupacken.
Organisiert wird der Pflegeeinsatz von uns gemeinsam mit dem Heimatverein Lette. Ziel ist es, dieses wertvolle Schutzgebiet langfristig zu erhalten. Denn eine Heide ist kein sich selbst überlassenes Ökosystem – sie ist seit jeher auf regelmäßige Nutzung und Pflege angewiesen. Ohne diese Maßnahmen würde sie nach und nach verbuschen und sich zu Wald entwickeln.
Im Rahmen des Pflegeeinsatzes wird jedes Jahr ein Teil der alten Heide gemäht und das Mahdgut abgetragen. Außerdem werden Störzeiger wie Brombeeren und der Jungaufwuchs von Birke und Kiefer entfernt. Zudem werden offene Bodenstellen geschaffen, die wichtig für lichtliebende Tier- und Pflanzenarten sind.
Neben der praktischen Naturschutzarbeit kommt auch das Miteinander nicht zu kurz: Zur Mittagszeit versammeln sich alle helfenden Hände in der Pausenhütte oder im Heimathaus Lette. Dort warten eine leckere Suppe und kühle Getränke – eine schöne Gelegenheit zum Austausch und zur Stärkung nach getaner Arbeit.
Im Offenland kommen neben Besenheide (Calluna vulgaris) und Wacholder (Juniperus communis, RL 3/2) weitere, in Nordrhein-Westfalen gefährdete Arten wie Frühlings-Spörgel (Spergula morisonii, RL 3/3), Frühe Haferschmiele (Aira praecox, RL 3/3) und Silbergras (Corynephorus canescens, RL 3/3) vor. Die Sandflächen sind auch von Bedeutung für Sandbienen, Sandlaufkäfer und Heuschrecken.
Entlang der wärmebegünstigten, mit Eichenlaub bedeckten Waldsäume befinden sich die Reviere der Waldgrille (Nemobius sylvestris). Sie ist schwer zu entdecken, im Hochsommer aber gut zu hören. Die Waldgrille ist im Kreis Coesfeld recht selten. Seit 2004 werden zur Erhaltung und Optimierung von Heide und Sandmagerrasen regelmäßige Pflegearbeiten durchgeführt. Dazu gehören Maßnahmen wie Entbuschung (Birken und Kiefern), Beseitigung der Brombeerbestände und Schaffung von Rohböden durch Abplaggen (Entnahme der oberen Rohhumusschicht).
Die Letter Wacholderheide besteht nicht nur aus Heide und Waldflächen, sondern auch aus, magerem Grünland. Dieses wird extensiv von Schafen beweidet – eine traditionelle und besonders schonende Form der Landschaftspflege, die wesentlich zum Erhalt des Schutzgebietes beiträgt.
Im Frühjahr, meist im Mai, wir und der Heimatverein Lette mit dem betreuenden Schäfer gemeinsam zur öffentlichen Schafschur ein. Die Veranstaltung findet an einem Nachmittag statt und ist besonders für Familien ein schönes Erlebnis.
Zu Beginn werden die auf der Fläche weidenden Tiere gemeinsam mit den Familien in einen Pferch getrieben. Dabei können vor allem die oft bestaunten, „süßen“ Lämmer aus nächster Nähe erlebt werden. Vor Ort wird anschaulich erklärt, warum die Schafschur notwendig ist und welche Rolle die Beweidung für den Naturschutz spielt.
Anschließend geht es zur eigentlichen Schur: Der Schäfer schert vor den Besucherinnen und Besuchern zwei bis drei Schafe und gibt dabei spannende Einblicke in sein Handwerk. Die frisch geschorene Wolle darf von den Gästen mitgenommen werden.
Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt: Es gibt Grillwürstchen und Kaltgetränke, sodass während dem informativen Teil auch das gesellige Beisammensein nicht zu kurz kommt.






