Einst Wirtschaftsweg in die Niederlande – heute überregional bedeutende Vernetzungsachse für den Biotopschutz quer durch das Münsterland
Die Berkel ist auf rund 728 Hektar als europäisches Schutzgebiet (Fauna-Flora-Habitat-Gebiet, FFH-Gebiet) ausgewiesen, davon etwa 329 Hektar im Kreis Coesfeld. Sie zählt zu den naturschutzfachlich wertvollsten Flusslandschaften im Münsterland und nimmt eine herausragende Rolle als Lebensraum für Fauna und Flora innerhalb der intensiv genutzten Agrarlandschaft des Westmünsterlandes ein.
Der sandgeprägte Tieflandfluss weist in weiten Abschnitten noch ein naturnahes Erscheinungsbild mit windungsreichen Verläufen, unbefestigten Ufern und selten gewordenen Relikten auentypischer Biotope auf. Als wichtiger Wanderkorridor verbindet die Berkel das östliche und westliche Münsterland und stellt damit ein zentrales Element der landesweiten Biotopvernetzung dar. Einst diente sie als Wirtschaftsweg in die Niederlande, heute ist sie eine überregional bedeutende Vernetzungsachse für den Biotopschutz quer durch das Münsterland. Die Berkel gehört zu den wenigen Flüssen im Münsterland, die zumindest abschnittsweise noch in einem natürlichen Flussbett verlaufen.
Im Kreis Coesfeld ist die natürliche Gewässerdynamik jedoch vielerorts durch Ufer- und Sohlverbauungen, tief eingeschnittene Erosionsprofile sowie durch Wehre und ehemalige Mühlanlagen beeinträchtigt. Während die Aue im Stadtgebiet von Coesfeld stark überbaut ist, durchfließt die Berkel in der offenen Landschaft lange Abschnitte einer intensiv genutzten Agrarlandschaft mit bis an die Ufer heranreichenden Ackerflächen. Dennoch zeigt der Fluss auf längeren Strecken weiterhin einen unbegradigten, mäandrierenden und vergleichsweise naturnahen Verlauf innerhalb der Niederung.
Bereits seit 1988 bestehen im Kreis Coesfeld Bestrebungen, den Fluss unter Schutz zu stellen. 1994 wurde zunächst der Quellbereich als Naturschutzgebiet ausgewiesen, im selben Jahr folgte die Unterschutzstellung der Berkelaue zwischen Billerbeck und Coesfeld. Mit der Änderung des Landschaftsplans Coesfelder Heide-Flamschen kam 2004 ein weiterer Schutzabschnitt westlich der Stadt Coesfeld hinzu. Darüber hinaus wurde ein weitgehend zusammenhängender Berkelabschnitt von der Quelle bis nach Vreden als FFH-Gebiet „Berkelaue“ unter europäischen Schutz gestellt. Insgesamt stehen damit rund 64 Kilometer Gewässerlänge einschließlich der angrenzenden Auenflächen unter Schutz. Davon entfallen etwa 24 Kilometer auf den Kreis Coesfeld und weitere 40 Kilometer auf den Kreis Borken.
Das Hauptentwicklungsziel für diesen Flussabschnitt besteht in der naturnahen Umgestaltung des Berkellaufes durch Sohlanhebung, Verzahnung mit der umgebenden Aue, durchgehende Einrichtung von extensiv als Grünland genutzten Uferrandstreifen und Aufhebung der die Durchgängigkeit unterbrechenden Stauhaltungen. Die Sohlanhebung ist die zentrale Maßnahme, um den guten Zustand des Gewässers lt. Wasserrahmenrichtlinie wiederherzustellen. Der gesetzliche Schutz von Teilabschnitten der Berkel steht dieser Maßnahme nicht entgegen, da die Umsetzung zu einer weiteren Strukturanreicherung am Gewässer führt.
In Kürze: Erhalt und Optimierung eines naturnahen Flussauenabschnittes als Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten mit besonderer Bedeutung für den landesweiten Biotopverbund.
Lage: Gemeinde Billerbeck, Kreis Coesfeld
Fläche: 138,30 Hektar
Schutzstatus:
- Naturschutzgebiet (NSG)
- FFH-Gebiet “Berkel” (DE-4008-301)
Schutz seit: 1994
Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
Betreuung: Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V.
NATURA 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten, das eingerichtet wurde, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume in Europa langfristig zu erhalten. Es ist das größte zusammenhängende Schutzgebietssystem der Welt und basiert auf der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) (1992).
FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete) sind spezielle Schutzgebiete, die im Rahmen von NATURA 2000 ausgewiesen worden sind. Der Begriff stammt aus den entsprechenden EU-Richtlinien, die auf den Schutz von besonders wertvollen Lebensräumen (z. B. Wälder, Moore, Wiesen) sowie gefährdeten Tier- und Pflanzenarten abzielt.
Die Berkelaue ist ein ca. 40 km langer, sehr reich strukturierter, von Grünland dominierter Auenabschnitt von der Quelle bis Vreden quer durch das Westmünsterland. Den in langen Abschnitten frei mäandrierenden Fluß begleiten zahlreiche auentypische Strukturen wie Flutmulden, Röhrichtbereiche und eine z.T. mit ausgedehnten Feuchtgrünlandflächen ausgestattete offene Auenlandschaft.
Das FFH-Gebiet “Berkel” (DE-4008-301) umfasst 728 Hektar und erstreckt sich über die Kreise Coesfeld und Borken.
Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW

