In Folge des verstärkten landwirtschaftlichen Strukturwandels seit den 1960er Jahren wurden schließlich nahezu alle Flächen drainiert. Von den umgebenden Hochlagen drang die Ackernutzung bis in die Niederung des Welter Baches vor. Mitte der 1980er Jahre konnte das Gebiet Welter Bach dank großem Engagement seitens des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes einstweilig sichergestellt und somit die noch vorhandenen Feuchtwiesen vor ihrer vollständigen Vernichtung bewahrt werden. Der Kooperationsarbeit zwischen dem ehrenamtlichen Naturschutz (BUND), dem Amt für Agrarordnung Coesfeld, der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege und den ansässigen Landwirten ist es zu verdanken, dass sich inzwischen alle Flächen in öffentlicher Hand befinden und naturschutzgerecht bewirtschaftet werden. Heute sind einige Abschnitte des Welter Baches renaturiert, Ackerflächen in Weiden umgewandelt und Grünlandflächen extensiviert worden. Große Flächen werden seit 1995 mit Galloway-Rindern ganzjährig beweidet.
Der Welter Bach mündet im östlich angrenzenden Naturschutzgebiet in den Karthäuser Mühlenbach. Das Schutzgebiet ist durch befestigte Wirtschaftswege erschlossen, von denen man gute Einblicke in das Bachtal mit seinen Feuchtwiesen bekommt.
Erhaltung und Wiederherstellung einer von extensiv genutztem Feuchtgrünland geprägten Bachaue als Lebensstätte zahlreicher, z.T. gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.
Langfristiges Naturschutzziel ist es, dem Welter Bach soweit wie möglich seine natürliche Eigendynamik zurückzugeben.
Lage: Gemeinde Dülmen, Kreis Coesfeld
Fläche: 33,53 Hektar
Schutzstatus: Naturschutzgebiet (NSG)
Schutz seit: 1988
Informationsquelle: Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
Durch die Aufhebung von Drainagen und die Anlage von Blänken und Kleingewässern ist das Schutzgebiet des Welter Baches auch für zahlreiche Wiesenögel optimiert. Insgesamt brüten mehr als 60 Vogelarten im Welter Bachtal, darunter gefährdete Arten wie Wachtel, Eisvogel, Nachtigall, Schafstelze, → Steinkauz, Rebhuhn und Kiebitz. Für die Bekassine ist das Bachtal im Frühjahr und Herbst wichtiges Durchzugsgebiet.
Von herausragender Bedeutung sind die grundwassernahen Sumpfdotterblumenwiesen (Calthion-Gesellschaften) mit mit Vorkommen des Breitblättrigen Knabenkrauts (Dactylorhiza majalis), Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi), Waldsimse (Scirpus sylvaticus), Zweizeiliger Segge (Carex disticha) und Sumpfdotterblume (Caltha palustris). Hinzu kommen noch floristische Seltenheiten wie Blasen-Segge (Carex vesicaria), Hirse-Segge (Carex panicea), Echte Gelbsegge (Carex flava), Großer Klappertopf (Rhinanthus serotinus) und Sumpf-Dreizack (Triglochin palustre). Im Gebiet konnten bisher über 20 Rote Liste Arten (LÖBF 1999) nachgewiesen werden, die sowohl in den Nasswiesen und Feuchtweiden als auch an den Kleingewässern und Blänken angesiedelt sind.
Das Auensystem des Welter Baches liegt etwa 3 km nördlich von Dülmen und gehört zum Einzugsgebiet der Stever. Ein historischer Rückblick lässt vermuten, dass die Bachaue vor der Urbarmachung durch den Menschen von Erlen-Bruchwäldern geprägt war. Nach der Entwaldung unterlagen die Flächen, sowohl standörtlich als auch witterungsbedingt, einer sehr extensiven Grünlandnutzung. Historische Karten (Urmeßtischblatt 1893) geben Hinweise darauf, dass vor über 100 Jahren erste Entwässerungsmaßnahmen wie Begradigungen des Baches und der Bau von Gräben durchgeführt wurden.
