Gemeinde Lüdinghausen / NSG Hochmoor Borkenberge

Am Nordostrand des Truppenübungsplatzes Borkenberge befindet sich eines der wertvollsten Heidemoore Westfalens. Der Kern des 47 Hektar große Gebiet besteht aus einem ausgedehnten Moor-Regenerations-Komplex, der als Süskenbrocksmoor bekannt ist. Die übrige Moorfläche ist von Kiefernwäldern umgeben und wird im Süden durch die asphaltierte Panzerringstraße begrenzt. Unmittelbar nördlich des Süskenbrocksmoors schließt sich, getrennt durch einen mit Gehölzen bestandenen Wall, ein von zahlreichen Gräben durchzogener Grünlandgürtel an, der in Richtung Brookbach entwässert. Im Übergangsbereich zum südlich angrenzenden NSG Borkenberge bilden Kiefernbestände eine natürliche Grenze auf trockenerem Sandboden. 

Das bis in die 1960er Jahre zwar durch Torfstiche beeinträchtigte, jedoch bis dahin noch weitgehend intakte Moor am Fuße der Borkenberge wurde im Zuge der Vertiefung des nördlich gelegenen Brookbachs entwässert. Der Grundwasserspiegel der Niederung sank stark ab und damit floss auch das nährstoffarme Wasser, das aus den Höhen der Borkenberge in das Süskenbrocksmoor hereinzog, verstärkt aus dem Moor ab. Es trocknete aus und verbuschte.

In den Jahren 1976/77 erfolgte eine Rettungsmaßnahme durch ehrenamtliche Naturschützer, Behörden und das Militär. Mithilfe eines umgebauten Drainagebaggers wurde auf der Nordseite des Moores über eine Länge von rund 1.000 m eine Kunststofffolie bis in eine Tiefe von 1,5 m eingebracht. Zusätzlich wurden Gehölzaufwüchse entfernt. Das Militär erklärte sich bereit, das Süskenbrocksmoor vom Übungsbetrieb freizuhalten. Der Folieneinbau leitete eine erfolgreiche Wiedervernässung ein. Bereits wenige Jahre später setzte eine deutliche Regeneration der Moorvegetation ein.

Besucher in den Borkenbergen

Achtung Betretungsverbot!
Der ehemalige Truppenübungsplatz Borkenberge ist munitionsbelastet und darf nicht betreten werden! Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich geahndet.

Wanderer und Radfahrer werden auf einem befestigten Rundweg um die sensible Kernzone des Gebietes herumgeführt. Dieser Weg darf – schon aus Sicherheitsgründen – nicht verlassen werden.
 

Zum Erhalt und zur Entwicklung des NSG Hochmoor Borkenberge sind nach wie vor gezielte Renaturierungsmaßnahmen von Bedeutung.

Eine besondere Herausforderung stellt hierbei die Wiedervernässung des Moores und der Grünlandflächen durch den Verschluss der noch vorhandenen Entwässerungsgräben dar. Zudem sind während der über viele Jahrzehnte andauernden Regeneration immer wieder die vom Rande her in das Moor einwandernden Gehölze und auf dem Moorboden stockende Kiefernforste zu entfernen. Die feuchten und nassen Grünlandflächen bergen auf dem Niedermoor-und Anmoorgley-Boden ein besonders hohes Potenzial für die Regeneration von Feuchtgrünland. 

Als problematisch wird die jetzige Ausprägung des vertieften Brookbaches angesehen, die hauptverantwortlich für die für die Entwässerung der Moorniederung ist. Zur Stabilisierung des Wasserhaushaltes im Moor sind hier grundlegende Renaturierungsmaßnahmen zu ergreifen.

Lage: Gemeinde Lüdinghausen, Kreis Coesfeld

Fläche: 47 Hektar

Schutzstatus: 

  • Naturschutzgebiet (NSG)
  • Teil des FFH-Gebiets Truppenübungsplatz Borkenberge (DE-4209-304)
  • Teil des EU-Vogelschutzgebietes (VSG) “Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge” (DE-4108-401)

Schutz seit: 1939

seit 2016 Teil der DBU-Naturerbefläche “Borkenberge”

Informationsquelle: Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW

Hochmoortypische Vegetation

Das Süskenbrocksmoor ist von einem Mosaik verschiedener, gefährdeter Moorgesellschaften wie die Hochmoorbult-Gesellschaft (Erico-Sphagnetum magellanici), Schnabelriede (Rynchosporetum albae) und Feuchtheiden (Ericetum tetralicis) geprägt.

Fauna

Moorlibellen wie die Kleine Binsenjungfer (Lestes virens) und die Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) finden im Süskenbrocksmoor ihren Lebensraum. Während die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) hier ein vermutlich nur kleines Vorkommen besitzt, kommt die Kurzflügelige Beißschrecke (Metrioptera brachyptera) in den Feuchtheiden häufig vor. Ihre einzigen bekannten Vorkommen im Kreis Coesfeld haben der seltene Argus-Bläuling (Plebeius argus) im Süskenbrocksmoor und der Sumpf-Grashüpfer (Chorthippus montanus) in feuchten Grünlandflächen nördlich des Moores. (Stand 2009)

 

NATURA 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten, das eingerichtet wurde, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume in Europa langfristig zu erhalten. Es ist das größte zusammenhängende Schutzgebietssystem der Welt und basiert auf der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) (1992).
FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete) sind spezielle Schutzgebiete, die im Rahmen von NATURA 2000 ausgewiesen worden sind. Der Begriff stammt aus den entsprechenden EU-Richtlinien, die auf den Schutz von besonders wertvollen Lebensräumen (z. B. Wälder, Moore, Wiesen) sowie gefährdeten Tier- und Pflanzenarten abzielt.
 

Das FFH-Gebiet hat eine Fläche von 1716 ha.

Das 5.077 ha große EU-Vogelschutzgebiet „Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge“ (VSG  DE-4108-401) befindet sich im Grenzbereich des Kernmünsterlandes zum Westmünsterland und setzt sich aus mehreren Teilgebieten zusammen. Das Vogelschutzgebiet liegt zu etwa gleich großen Teilen in den Kreisen Borken, Coesfeld und Recklinghausen. Es wird naturschutzfachlich von drei Biologischen Stationen betreut, dem Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld, der Biologischen Station Zwillbrock (Kreis Borken) und der Biologischen Station Kreis Recklinghausen.
Das Vogelschutzgebiet gilt seit seiner Meldung durch die Bundesrepublik Deutschland an die EU-Kommission im Jahr 2000 als „Besonderes Schutzgebiet“ (BSG = Special Protected Area - SPA) und ist Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes NATURA 2000.

Das Vogelschutzgebiet hat besonderen Wert als Lebensraum für folgende Vogelarten:

Brutvogelarten:

  • Großer Brachvogel
  • Zwergtaucher
  • Kiebitz
  • Eisvogel
  • Krickente
  • Knäckente
  • Löffelente
  • Schnatterente
  • Tafelente
  • Uhu
  • Baumfalke
  • Rotmilan
  • Wespenbussard
  • Kranich
  • Heidelerche
  • Pirol
  • Wachtelkönig
  • Wasserralle
  • Kiebitz
  • Blaukehlchen
  • Gartenrotschwanz
  • Nachtigall
  • Schwarzkehlchen
  • Teichrohrsänger
  • Bekassine
  • Uferschnepfe
  • Mittelspecht
  • Schwarzspecht
  • Wiesenpieper
  • Weißstorch
  • Neuntöter
  • Ziegenmelker

Rast- und Überwinterung, Durchzug:

  • Blässgans
  • Saatgans
  • Fischadler
  • Kornweihe
  • Rohrweihe
  • Fischadler
  • Kranich
  • Goldregenpfeifer
  • Rohrdommel
  • Gänsesäger
  • Zwergsäger
  • Bruchwasserläufer
  • Dunkler Wasserläufer
  • Grünschenkel
  • Kampfläufer
  • Waldwasserläufer
  • Zwergschnepfe
  • Trauerseeschwalbe
  • Schwarzstorch
  • Weißstorch
  • Raubwürger
  • Silberreiher

Informationsquellen:
Olthoff, M., Ikemeyer, D., Ribbrock, N. & T. Zimmermann (2007): Das EU-Vogelschutzgebiet „Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge“. In: Heineberg, H. (Hrsg.): Westfalen Regional. Siedlung und Landschaft in Westfalen 35: 62-63.
Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW

Vogelschutzgebiet Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge (VSG DE-4108-401), östlicher Teil
Vogelschutzgebiet Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge (VSG DE-4108-401), westlicher Teil

Paläobotanische Untersuchungen belegen, dass es sich beim Süskenbrocksmoor um ein Verlandungsmoor handelt, dessen Entwicklung in der Frühen Wärmezeit (Boreal, 7000–6000 v. Chr.) einsetzte (Koch 1930; Pott 1984). Nach pollenanalytischen Befunden von Pott (1984) verlandeten zunächst Nuphar-, Stratiotes- und Potamogeton-reiche Gewässer mit einer farnreichen, von Sauergräsern dominierten Vegetation. Im Atlantikum (6000–3100 v. Chr.) entwickelte sich infolge der Ausbreitung der Erle ein Bruchwald, der im Verlauf des Subboreals (3100–1100 v. Chr.) von Hochmoor-Torfmoosen überwachsen wurde.

Tiefenbereich (cm)

Beschreibung

0–60Sphagnum-Torf
ca. 50Einlagerung einer 2–3 cm mächtigen Flugsanddecke
60–85Stark zersetzter Bruchwaldtorf
85–95Dunkelgraue, stark zersetzte Mudde, zur Basis hin zunehmend sandig

Da die Sphagnum-Torfe lediglich eine maximale Mächtigkeit von etwa 60 cm erreichen, ist das Süskenbrocksmoor als Heidemoor mit Hochmoorvegetation anzusprechen. Auch die hydrologische Situation entspricht nicht der eines rein ombrotrophen Hochmoores. Die Wasserversorgung erfolgt überwiegend durch Niederschläge sowie durch Oberflächenwasser aus dem Einzugsgebiet der Borkenberge; darüber hinaus unterliegt das Moor stellenweise einem Grundwassereinfluss (Koch 2014). Quellige Bereiche mit oberflächennah anstehendem Grundwasser sind durch Bultstadien mit Moorlilie  (Narthecium ossifragum) gekennzeichnet. Heidemoore stellen eine besondere Form von Zwischenmooren dar und werden im Sinne von Preuss (in Coenen 1991) wie folgt definiert: „Nährstoffarme Moore mit hochmoorartiger oder -ähnlicher Vegetation aber ohne Aufwölbung, die ohne vorausgegangenes nährstoffreiches Moorstadium entweder durch direkte Verlandung nährstoffarmer Gewässer oder durch Versumpfung von Sandboden entstanden sind.“ 

Die Kultivierungsmaßnahmen der Moorlandschaften blieben auch im Süskenbrocksmoor nicht ohne Folgen. Laut der Preußischen Uraufnahme von 1842 (Landesvermessungsamt NRW 1994) wurde im Moorgebiet bäuerlicher Handtorfstich betrieben. Aufgrund der geringen Torfmächtigkeit von bis zu einem Meter lohnte sich ein kommerzieller Abbau jedoch nicht, sodass „wohl nur in Notzeiten“ Torf entnommen wurde (Thielemann 1984). Zwischen den beiden Weltkriegen begann eine systematische Entwässerung des Moores, deren Relikte heute noch in den von Pfeifengras dominierten Grüppenstrukturen (Wechsel von Torfrippen und Entwässerungsgräben) im zentralen Bereich erkennbar sind. Diese Bereiche wurden am Westrand des Moores mit Kiefern aufgeforstet. Im zentralen Bereich wurden die Grüppen zur Entwässerung angelegt, aber eine Aufforstung erfolgte hier nicht mehr.

In den 1960er Jahren wurde der Brookbach zur intensiveren Entwässerung des von zahlreichen etwa 50 cm tiefen Gräben durchzogenen Grünlandgürtels auf 1,5 m vertieft. Diese nach Norden gerichtete Entwässerung führte zu einem verstärkten Abfluss des aus den Borkenbergen stammenden, oberflächennah unter dem Moor verlaufenden Wassers. In der Folge begann der Moorkörper auszutrocknen, wodurch der sensible Wasserhaushalt erheblich beeinträchtigt wurde (Nigge 1988). Die Moorvegetation wurde zunehmend von Pfeifengras, Kiefern und Birken verdrängt.

Zum Erhalt und zur Entwicklung des NSG Hochmoor Borkenberge sind nach wie vor gezielte Renaturierungsmaßnahmen von Bedeutung.

Eine besondere Herausforderung stellt hierbei die schonende und gleichmäßige Wiedervernässung des Moores und der Grünlandflächen durch den Verschluss der noch vorhandenen Entwässerungsgräben dar. Denn nicht nur ein Austrocknen der Vegetationsbestände, sondern auch eine zu starke Überstauung kann negative Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt nach sich ziehen. 

Zur Erhaltung der Moorlebensräume im Süskenbrocksmoor sind umfangreiche Wiedervernässungsmaßnahmen erforderlich. Hierzu gehören die Ertüchtigung des Torfdammes mit der in den 1970er Jahren eingebrachten Folie und der Rückbau der Grüppenstrukturen im Gebiet. Zudem sind mittlerweile umfangreiche Entbuschungsmaßnahmen sowie die Rücknahme der Waldflächen auf Moorboden erforderlich. 

Die feuchten und nassen Grünlandflächen bergen auf dem Niedermoor-und Anmoorgley-Boden ein besonders hohes Potenzial für die Regeneration der vor 30 Jahren hier großflächig vorhandenen Sumpfdotterblumen- und Niedermoor-Wiesen. Hierzu bedarf es einer sensiblen Pflege durch eine gelenkte, extensive Nutzung.

Stand 2009