Das rund 1.161 Hektar umfassende Gebiet ist das größte Naturschutzgebiet im Kreis Coesfeld und beinhaltet Sandmagerrasen und Heiden (etwa 25 % der Fläche), lichte Kiefern- (fast 40 %) und Eichen-Birkenwälder (fast 30 %).
Die Sandginster-Heiden prägen das zentrale Offenland, befinden sich jedoch häufig in einem mäßigen bis schlechten Erhaltungszustand. Sandtrockenrasen und Zwergbinsenfluren kommen vor allem entlang der Sandwege vor. Sie sind durch einen hohen Anteil konkurrenzschwacher Pionierarten gekennzeichnet, deren Vorkommen eng an offene Bodenstellen und regelmäßige Störungen gebunden ist. Aufgrund dieser Abhängigkeit reagieren diese Vegetationstypen besonders sensibel auf Veränderungen. Die halbnatürliche Heidelandschaft ist mittlerweile stark gefährdet durch die voranschreitende Vergrasung, Verbuschung und Einwanderung invasiver Neophyten.
Von großer Bedeutung sind die Heideflächen für zahlreiche Tierarten. Aus ornithologischer Sicht von besonderer Bedeutung sind die Vorkommen von Ziegenmelker und Heidelerche, die hier große Brutvorkommen besitzen. Seltene Reptilien wie Schlingnatter und Zauneidechse besiedeln die halboffenen Heideflächen. Die Kreuzkröte laicht in den temporären Kleingewässer, wohingegen der Moorfrosch in vermoorten Heideweihern laicht. Seltene Insektenarten wie die Rostbinde und der Heide-Laufkäfer sind auf die rohbodenreichen Sandlebensräume angewiesen.
Besucher in den Borkenbergen
Achtung Betretungsverbot!
Der ehemalige Truppenübungsplatz Borkenberge ist munitionsbelastet und darf nicht betreten werden! Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich geahndet.
Wanderer und Radfahrer werden auf einem befestigten Rundweg um die sensible Kernzone des Gebietes herumgeführt. Dieser Weg darf – schon aus Sicherheitsgründen – nicht verlassen werden.
Die Borkenberge dienen dem Erhalt einer einzigartigen Heide-, Sand- und Moorlandschaft, die im Münsterland sonst kaum noch existiert.
Hauptziele sind:
- die Bewahrung und Entwicklung großflächiger Heide- und Sandmagerrasenflächen,
- der Schutz und die Wiederherstellung von Moor- und Heideweihern für Moorfrosch, Krickente und Moorlibellen,
- die Erhaltung rohbodenreiche Sandlebensräume für diverse Insektenarten
- die Erhaltung temporärer Kleingewässer für Kreuzkröte, Urzeitkrebse und Zwergbinsenfluren
- die Erhaltung der halboffenen, strukturreichen Landschaft mit ihren Übergängen von Heide zu Wald für Heidelerche und Ziegenmelker
- sowie die langfristige Sicherung dieser Lebensräume durch extensive Beweidung mit Megaherbivoren und gezielte Pflege.
Landschaftstyp: Sandlandschaft mit Heiden, Mooren und lichten Wäldern
Lage: südlich von Haltern am See (Kreis Coesfeld, Kreis Recklinghausen)
Fläche: ca. 1.161 Hektar – größtes Naturschutzgebiet im Kreis Coesfeld
Schutzstatus:
- Naturschutzgebiet (NSG)
- Teil des FFH-Gebiets Truppenübungsplatz Borkenberge (DE-4209-304)
- Teil des EU-Vogelschutzgebietes (VSG) “Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge” (DE-4108-401)
Naturschutzgebiet seit: 2005
seit 2016 Teil der DBU-Naturerbefläche “Borkenberge”
Das Naturschutzgebiet Borkenberge ist ein Mosaik aus Heiden, Sandtrockenrasen, Mooren, Heideweihern und lichten Wäldern.
Etwa ein Viertel der Fläche besteht aus Sandmagerrasen und Heiden, fast 40 % aus lichten Kiefernwäldern und knapp 30 % aus Eichen-Birkenwäldern. In den Senken liegen kleine Moore und feuchte Senken, in denen sich seltene Pflanzen und Amphibienarten angesiedelt haben.
Die offene, trockene Landschaft ist besonders wichtig für Pionier-Pflanzenarten, die in der intensiv genutzten Agrarlandschaft kaum noch geeignete Lebensräume finden.
Typisch sind pfeifengrasreiche Sandginster-Heiden (Genisto pilosae-Callunetum molinietosum), Feuchtheiden (Ericetum tetralicis) sowie seltene Pioniergesellschaften auf offenen Sandflächen. Diese offenen Strukturen werden heute durch gezielte Pflege und weiterhin durch militärische Nutzung erhalten, die das Zuwachsen der Heide verhindert.
Besonders wertvoll sind die Hoch- und Übergangsmoore mit ihren typischen Torfmoosgesellschaften und Arten wie Moorlilie, Schnabelried und Rosmarinheide.
Diese Arten profitieren von der Mosaikstruktur aus offenen Sandflächen, Heiden und lichten Wäldern, die für viele andere Regionen längst verloren gegangen ist.
Fauna
Typische und geschützte Arten sind:
- Brutvögel: Ziegenmelker, Heidelerche, Schwarzkehlchen, Wiesenpieper, Neuntöter, Feldlerche, Gartenrotschwanz, Wespenbussard, Mittelspecht
- Rastvögel/Wintergäste: Raubwürger, KornweiheReptilien: Schlingnatter, Kreuzotter, Zauneidechse
- Amphibien: Kreuzkröte, Moorfrosch, Kleiner Wasserfrosch
- Insekten: Rostbinde (Hipperachia semele), Heidelaufkäfer (Carabus nitens), Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica), Kurzflügelige Beißschrecke (Metrioptera brachyptera)
- Urzeitkrebse: Pfeilschwanzkrebs (Triops cancriformis), Sommer-Feenkrebs (Branchipus schaefferi)
Die großflächige, wellige Landschaft der Borkenberge ist Teil der drei Halterner Sand-Hügelländer (Haard, Hohe Mark, Borkenberge). Bereits aus der Ferne zeichnen sich die markanten Anhöhen der Borkenberge ab, die mit den Kuppen Fischberg (134 m) und Rauher Berg (127 m) ihre höchsten Erhebungen erreichen. Die oberkreidezeitlichen Halterner Sande, die zum Teil von Flugsand oder Sandlöss überdeckt sind (eiszeitliche Moränenreste und Dünen), treten hier großflächig an die Oberfläche. Als Bodentypen sind vor allem saure und an Nährstoffen verarmte Podsole ausgebildet.
Auf Grund dieser stark sandgeprägten Bodenbedingungen und vor allem aber durch die langjährige militärische Nutzung des Gebietes zunächst als Schießplatz der Fa. Krupp (seit 1873) und danach, ab etwa 1935 bis 2015 als Truppenübungsplatz, konnte sich mit den Borkenbergen ein großflächiger Ausschnitt der historischen, halboffenen Heide- und Moorlandschaft des Sand-Münsterlandes erhalten. Es war die militärische Nutzungsdynamik aus Befahrung, Offenhaltung und der Verzicht auf Düngung und Pestizide, die eine außergewöhnliche Artenvielfalt hervorgebracht haben.
NATURA 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten, das eingerichtet wurde, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume in Europa langfristig zu erhalten. Es ist das größte zusammenhängende Schutzgebietssystem der Welt und basiert auf der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) (1992).
FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete) sind spezielle Schutzgebiete, die im Rahmen von NATURA 2000 ausgewiesen worden sind. Der Begriff stammt aus den entsprechenden EU-Richtlinien, die auf den Schutz von besonders wertvollen Lebensräumen (z. B. Wälder, Moore, Wiesen) sowie gefährdeten Tier- und Pflanzenarten abzielt.
Das FFH-Gebiet hat eine Fläche von 1716 ha.
Das 5.077 ha große EU-Vogelschutzgebiet „Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge“ (VSG DE-4108-401) befindet sich im Grenzbereich des Kernmünsterlandes zum Westmünsterland und setzt sich aus mehreren Teilgebieten zusammen. Das Vogelschutzgebiet liegt zu etwa gleich großen Teilen in den Kreisen Borken, Coesfeld und Recklinghausen. Es wird naturschutzfachlich von drei Biologischen Stationen betreut, dem Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld, der Biologischen Station Zwillbrock (Kreis Borken) und der Biologischen Station Kreis Recklinghausen.
Das Vogelschutzgebiet gilt seit seiner Meldung durch die Bundesrepublik Deutschland an die EU-Kommission im Jahr 2000 als „Besonderes Schutzgebiet“ (BSG = Special Protected Area - SPA) und ist Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes NATURA 2000.
Das Vogelschutzgebiet hat besonderen Wert als Lebensraum für folgende Vogelarten:
Brutvogelarten:
- Großer Brachvogel
- Zwergtaucher
- Kiebitz
- Eisvogel
- Krickente
- Knäckente
- Löffelente
- Schnatterente
- Tafelente
- Uhu
- Baumfalke
- Rotmilan
- Wespenbussard
- Kranich
- Heidelerche
- Pirol
- Wachtelkönig
- Wasserralle
- Kiebitz
- Blaukehlchen
- Gartenrotschwanz
- Nachtigall
- Schwarzkehlchen
- Teichrohrsänger
- Bekassine
- Uferschnepfe
- Mittelspecht
- Schwarzspecht
- Wiesenpieper
- Weißstorch
- Neuntöter
- Ziegenmelker
Rast- und Überwinterung, Durchzug:
- Blässgans
- Saatgans
- Fischadler
- Kornweihe
- Rohrweihe
- Fischadler
- Kranich
- Goldregenpfeifer
- Rohrdommel
- Gänsesäger
- Zwergsäger
- Bruchwasserläufer
- Dunkler Wasserläufer
- Grünschenkel
- Kampfläufer
- Waldwasserläufer
- Zwergschnepfe
- Trauerseeschwalbe
- Schwarzstorch
- Weißstorch
- Raubwürger
- Silberreiher
Informationsquellen:
Olthoff, M., Ikemeyer, D., Ribbrock, N. & T. Zimmermann (2007): Das EU-Vogelschutzgebiet „Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge“. In: Heineberg, H. (Hrsg.): Westfalen Regional. Siedlung und Landschaft in Westfalen 35: 62-63.
Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
Gemeinsam mit den Biologischen Stationen Kreis Recklinghausen und Zwillbrock hat das Naturschutzzentrum die Projektidee
„Westfalens Wilder Westen“ entwickelt. Ziel ist es, die großflächige Heide- und Moorlandschaft der Borkenberge zu erhalten – und durch extensive Ganzjahresbeweidung mit Wisent, Taurusrind und Wildpferd offen zu halten. So soll auf etwa 550 Hektar eine dynamische, halboffene Landschaft entstehen, in der natürliche Prozesse, Tierbewegungen und Vegetationsentwicklung weitgehend selbstständig ablaufen – ein Modellprojekt für großflächigen Naturschutz im Münsterland. Im April 2016 wurde zur Veranschaulichung der Projektidee eine Karte mit den naturschutzfachlichen Zielen für die Borkenberge erarbeitet. download!
Die artspezifischen Fraß- und Bewegungsmuster der aufgeführten Tierarten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Offenhaltung der sandgeprägten Lebensräume sowie zur Sicherung und Förderung ihrer charakteristischen Lebensgemeinschaften. Ergänzend zur Beweidung kommen weitere Pflegemaßnahmen zum Einsatz. Dazu gehören Entkusselung, Heidebrennen sowie eine gezielte Befahrung der Sandwege mit schweren Fahrzeugen im Rahmen von Übungseinsätzen der Blaulichtorganisationen (Technisches Hilfswerk, Polizei, Feuerwehr). Diese Maßnahmenkombination stellt eine effektive Strategie zur langfristigen Erhaltung und Entwicklung der Sandlebensräume dar. Neben einer erwarteten Zunahme der Biodiversität eröffnet das Konzept die Möglichkeit, das Gebiet für einen naturverträglichen Erlebnistourismus zugänglich zu machen und zugleich illegale Nutzungen wie das Motocross-Fahren wirksam zu unterbinden. Zu den prioritären naturschutzfachlichen Zielsetzungen zählen neben dem Erhalt und der Optimierung Heidelandschaft auch die Förderung strukturreicher Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland sowie die Verbindung einzelner isolierter Lichtungen mit dem zentralen Offenland durch geeignete Korridore.
Download: Flyer "Westfalens Wilder Westen" (PDF, 0,3 MB)
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