Das Venner Moor zu Fuß
Das NSG Venner Moor (148 ha) befindet sich am Rande der Davert in der Gemeinde Senden, etwa 12 km südwestlich der Stadt Münster. Noch Mitte des 19. Jhd. hatte das ehemalige Hochmoor eine Ausdehnung von über 280 ha und war eine offene, weitgehend baumlose Fläche. Das Moorwachstum konnte hier vor etwa 4000 Jahren auf eiszeitlichen Sanden in einer abflusslosen Senke beginnen. Die Torfmächtigkeit erreichte bis zu drei Meter. Das Gebiet gehört zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Hochmoorgebieten des Münsterlandes.
Durch Entwässerungen und Torfabbau schrumpfte das Moor jedoch. Die erste Entwässerung begann mit dem Aufkommen des Handtorfstichs im Mittelalter. Eine weitere Trockenlegung und Zerschneidung erfuhr das Moor durch den Bau des Dortmund-Ems-Kanals um 1895. Infolgedessen bewaldete sich das einst baumlose Hochmoor zusehends mit Birken und Kiefern. Nach der Einstellung des bäuerlichen Torfstichs im Jahr 1964 blieb vom ehemaligen Hochmoor noch eine sechs Hektar große, nicht abgetorfte Restfläche des ehemaligen Hochmoors übrig.
Heute wird das Gebiet von zwergstrauchreichen Birkenwäldern mit Kiefern sowie wasserführenden Torfstichen mit torfmoosreichen Wollgrasbeständen und Seggenrieden im Zentrum geprägt.
Besucher im Moor
Auch im Winter hat das Moor seine Reize, insbesondere wenn Väterchen Frost Pflanzen und Wasserflächen erstarren lässt. Wer die mooreigene Atmosphäre erleben möchte, sollte sich im Herbst bei Nebel auf den Weg machen… Für Wanderer gibt es zwei ausgewiesene Rundtouren. Die Wege zum Schutz der störungsempfindlichen Fauna (Krickente, Kreuzotter) bitte nicht verlassen.
Radfahrer werden auf den Touren zum Wandererparkplatz oder an den Dortmund-Ems-Kanal geleitet – Radfahren innerhalb des Gebietes ist unerwünscht.
Revitalisierung des degenerierten Hochmoores durch gezielte Wiedervernässungs- und Entbuschungsmaßahmmen.
Erhaltung und Entwicklung nachfolgender FFH-Lebensraumtypen (LRT):
FFH-LRT 91D0 Moorwälder
FFH-LRT 7140 Übergangsmoore
FFH-LRT 7120 Noch renaturierungsfähige, geschädigte Hochmoore
FFH-LRT 3160 Dystrophe Gewässer
Erhaltung und Förderung nachfolgender, gefährdeter Tierarten:
Ziegenmelker
Schwarzspecht
Krickente
Kreuzotter
Maulwurfsgrille
Moor-Libellenarten (Torf-Mosaikjungfer, Nordische Moosjungfer)
Brombeer-Zipfelfalter
Renaturierung
Das Venner Moor befindet sich überwiegend im Landeseigentum. Mitte der 1970er Jahre wurden die Torfstiche vom Forstamt durch Schließung von Entwässerungsgräben wiedervernässt. Seitdem beginnt das Moor an einigen Stellen wieder zu wachsen. Es haben sich großflächige Torfmoosrasen gebildet, und die Birken sterben allmählich ab. Das Moorwachstum ist allerdings eine langwierige Angelegenheit: Der jährliche Zuwachs beträgt durchschnittlich nur einen Millimeter! Bedeutende Bereiche wie die Heidefläche werden regelmäßig freigestellt, um auf volle Besonnung angewiesene Lebensräume mit ihren charakteristischen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. 1990 wurde das Venner Moor zum Naturschutzgebiet erklärt
Danach passierte lange Zeit nichts. Erst ab 2013 konnte das Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V. in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde Kreis Coesfeld und dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW die Wiedervernässungsmaßnahmen fortführen und mit umfassenden Renaturierungsmaßnahmen starten.
Lage: Gemeinde Senden, Kreis Coesfeld
Fläche: rund 148 Hektar
Schutzstatus:
- Naturschutzgebiet (NSG)
- FFH-Gebiet „Venner Moor“ (DE-4111-301)
Schutz seit: 1954
Informationsquelle: Fachinformationssystem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
Eigentümer: Landesbetrieb Wald und Holz NRW (WuH NRW)
Betreuung: Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V. in Kooperation mit Landesbetrieb WuH NRW
Wie das Moor entstand
Nach pollenanalytischen Untersuchungen begann die Entwicklung des Venner Moores vor rund 6000 Jahren als Versumpfungsmoor. Das Klima war damals regenreich und in zahlreichen wassergefüllten Senken der ehemaligen Birken-Kiefernwälder siedelten sich Torfmoose an. Sie breiteten sich aus, überwucherten die Senken und brachten die umliegenden Baumbestände zum Absterben. Die umgestürzten Bäume wurden überwachsen und schließlich vereinigten sich die einzelnen Torfmoospolster zu einer geschlossenen Decke. Auch die angrenzenden, schilfreichen Erlenbruchwälder wurden damals vom Moor eingenommen. Das Venner Moor entwickelte sich damit zu einem über 280 Hektar großen Hochmoor mit drei Meter mächtigen Torfablagerungen und war bis des Ende 19. Jahrhunderts eine weitgehend baumlose, offene Moorlandschaft.
Entwässerung und Torfabbau
Die erste Entwässerung begann mit Aufkommen des Handtorfstichs im Mittelalter. Der Torf diente seinerzeit als Brennmaterial und noch 1890 stellte der Torfabbau für etwa 100 Haushalte der umliegenden Gemeinden einen Erwerbszweig dar. Eine weitere Trockenlegung und Zerschneidung erfuhr das Moor durch den Bau des Dortmund-Ems-Kanals um 1895. Infolgedessen bewaldete sich das einst baumlose Hochmoor zusehends mit Birken und Kiefern. Nach Einstellung des bäuerlichen Torfstichs im Jahr 1964 blieb vom ehemaligen Hochmoor nur noch eine sechs Hektar große, nicht abgetorfte Restfläche übrig.
Ein Zeitzeugenbericht (Anton Löbke 1940 - 2011, Senden)
Im Frühjahr zogen die ortsansässigen Familien ins Moor zu ihren Torfkuhlen. Für die Anlage eines Torfstichs mussten zunächst Entwässerungsgräben angelegt und ein Trockenplatz hergerichtet werden. Die wertlose oberste Schicht, die aus Torfmoosen und schwach zersetztem Weißtorf bestand, wurde abgetragen und verworfen. Anschließend wurde der freigelegte Brauntorf mit speziellen Torfspaten in Ziegelgröße gestochen. Dies war harte Knochenarbeit. Zudem erforderte die präzise Führung des Torfspatens viel Geschick und Erfahrung. Aufgrund des hohen Wasserstandes konnte der Torf nicht bis zur Moorsohle abgebaut werden. Die Torfziegel wurden meist von Kindern auf Holzkarren verladen, zum Trockenplatz gezogen und in bestimmter Anordnung zum Trocknen aufgestapelt. Das Trocknen dauerte bis in den Herbst hinein. 100 Brauntorf-Briketts passten in einen Torfsack, der für 1,- DM als Anmachtorf (Zündmaterial) an die umliegenden Schulen verkauft wurde. Dagegen konnte der stärker gepresste, unter dem Brauntorf liegende Schwarztorf als reiner Brenntorf zu höheren Preisen verkauft werden. Jedoch kam dieser nur an wenigen Stellen im Gebiet vor. Gegen Ende der Torfnutzung wurde nur noch nasser Weißtorf als sogenannter Düngetorf an die umliegenden Gärtnereien vertrieben. Neben der Torfgewinnung erwies sich der Verkauf von jungen Birken an das Bistum Münster für die Fronleichnams- und Brandprozessionen als einträgliches Geschäft. Außerdem wurden Vogelbeerzweige geschnitten, die als Rankhilfe für Erbsen – sogenannte „Erbsenreiser“ – sehr gefragt waren.
NATURA 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten, das eingerichtet wurde, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume in Europa langfristig zu erhalten. Es ist das größte zusammenhängende Schutzgebietssystem der Welt und basiert auf der Vogelschutzrichtlinie (1979) und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) (1992).
FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete) oder VG (Vogelschutzgebiete) sind spezielle Schutzgebiete, die im Rahmen von NATURA 2000 ausgewiesen worden sind. Der Begriff stammt aus den entsprechenden EU-Richtlinien, die auf den Schutz von besonders wertvollen Lebensräumen (z. B. Wälder, Moore, Wiesen) sowie gefährdeten Tier- und Pflanzenarten abzielt.
Das FFH-Gebiet hat eine Fläche von 147 ha.
Pflanzenreich im Wechsel der Jahreszeiten
Im Frühjahr beleben die Wollgräser mit ihren weißen, baumwollartigen Fruchtständen das Landschaftsbild der zentral gelegenen Torfstiche. In den Sommermonaten präsentiert sich die Heidefläche mit rosa- und lilafarbenen Blüten der Glocken- und Besenheide von ihrer schönsten Seite. Das Profil einer Torfwand der bis zu drei Meter hohen Hochmoorrestfläche kann südlich der Heide bestaunt werden. Zur Herbstzeit zeigen die Laubwälder mit dem bunten Farbenspiel der sterbenden Blätter ihre Pracht. Herausragend sind dabei die kleinen, aber imposanten Buchen-Altholzbestände. Geprägt wird das Venner Moor heute von Birkenwäldern mit Kiefern. Die Krautschicht wird überwiegend von Pfeifengras oder Zwergsträuchern wie Preisel- und Heidelbeere bestimmt.
Besonderes aus der Tierwelt
Spektakulär ist das Vorkommen der landesweit bedrohten Kreuzotter. Sie ist die einzige hierzulande vorkommende Giftschlange, jedoch harmloser als ihr Ruf. Auf ihrem Speisplan stehen Mäuse, Frösche und Eidechsen. Der Wanderer bekommt die Kreuzotter kaum zu Gesicht, da sie trotz des auffälligen schwarzen Zickzackbandes hervorragend getarnt ist. Zudem wird das scheue Tier durch Erschütterungen des Torfkörpers, die den Menschen meterweit ankündigen, aufgeschreckt und flüchtet. Mit etwas Glück kann im Frühjahr die scheue Krickente – eine farbenfrohe, kleine Entenart – auf den Wasserflächen beobachtet werden. An den Torfstichen sind bei schönem Wetter Moorlibellen wie Nordische Moosjungfer und Torf-Mosaikjungfer zu sehen. Letztere zählt im Venner Moor zu den eher seltenen Libellenarten. Entlang der Wegränder fliegt im Mai der durch seine grünen Flügelunterseiten unverwechselbare Brombeer-Zipfelfalter


